Ein Solarpark auf der Deponie Erzhülle?

Ergänzend zur Berichterstattung über die in der Stadtratssitzung am 21. September viel diskutierten Folgenutzung der Deponie Erzhülle möchten wir hier unseren Standpunkt darstellen.

Deponie Erzhülle

Ein mehrere Hektar großer, derzeit vegetationsfreier Südhang ohne weitere Nutzungsmöglichkeiten erscheint zunächst als idealer Standort für eine Photovoltaik-Freiflächenanlage mit dem Potenzial, den jährlichen Strombedarf von ca. 1000 Haushalten zu decken. Durch die etwas verwinkelte Topologie der Deponie Erzhülle und den technischen Mehraufwand, eine solche Anlage in einer dünnen, auf Folie liegenden Erdschicht bei starkem Gefälle zu verankern lägen die Kosten je installierter Leistung hier jedoch deutlich über dem auf anspruchsloseren Standorten nötigen finanziellen Aufwand.

Nun könnte man meinen, dass die prognostizierten Gestehungskosten von ca. 6 Cent/kWh (ca. 2 Cent/kWh über denen üblicher PV-Freiflächenanlagen) bei einem Strompreis über 30 Cent/kWh trotzdem lukrativ sind, aber so einfach ist es nicht. Betreiber so großer Anlagen sind verpflichtet den Strom direkt an der Strombörse zu vermarkten, wo weit weniger als 6 Cent/kWh zu holen sind. Oben drauf gibt es zwar noch die sog. „Marktprämie“, die jedoch in einem Ausschreibungsverfahren diejenigen Anlagenbetreiber erhalten, welche den geringsten Zuschuss fordern – eine Bescheidenheit, die sich der Betreiber einer vergleichsweise teuren Anlage aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten kann. Und nur bei erfolgreicher Teilnahme an diesem Ausschreibungsverfahren ggfalls. eine Chance auf die Bayerische PV-Freiflächenförderung auf landwirtschaftlich benachteiligten Gebieten. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist noch viel komplizierter als hier vereinfacht dargestellt, und was die neue Regierung daraus macht wird sich zeigen, aber man muss sich als Betreiber eines Solarparks schon warm anziehen…

Für eine zusätzliche Wertschöpfung wäre eine teilweise Deckung des Eigenbedarfs für z. B. eine städtische E-Autoflotte äußerst sinnvoll, würde die Gesamt-Bilanz aber nur geringfügig verbessern: 20 PKW mit je 10.000 km Jahresleistung benötigten nur ca. 1 % des Jahresstromertrags einer solchen PV-Anlage, sofern ausnahmslos tagsüber dort aufgeladen.

So schön und wünschenswert es wäre, es dürfte ohne zusätzliche Fördermöglichkeiten nicht allzu leicht werden einen Investor für den Standort Erzhülle zu finden. Zudem muss die Erzdeponie als Fördervoraussetzung bindend bis Ende 2022 saniert sein, es bleibt hier also gar keine Zeit mehr das jetzige Sanierungskonzept zu stoppen um weitere Planungen anzustellen. Darüber hinaus ist die Erzdeponie bereits als Ausgleichsfläche im Flächennutzungsplan festgelegt, also müssten bei einer Nutzung als PV-Freiflächenanlage 3,5 ha Grundfläche von der Stadt gekauft werden um diese Ausgleichsflächen erneut nachzuweisen.

Umso wichtiger daher, dass die Gemeinde Sulzbach-Rosenberg parallel zu den laufenden Konzept- und Machbarkeitsstudien auch in wirtschaftlicher Hinsicht besser geeignete Standorte für Solarparks kartieren lässt und für das gesamte Gemeindegebiet einen Kriterienkatalog für künftige Investoren aufstellt, die auch eine Bürgerbeteiligung vorsehen um einen Teil der Wertschöpfung in der Region zu halten. Genau dafür haben wir bereits im November 2020 die Erstellung eines Entwicklungsplanes für umweltverträgliche PV-Freiflächen-Anlagen beantragt und sehen einem Ergebnis gespannt entgegen!

Man muss hierbei zunächst den Gedanken ablegen, dass Solarparks die Landschaft „versiegeln“. Solche Anlagen sind ohnehin nur auf ökologisch minderwertigen Flächen genehmigungsfähig und führen bei entsprechender Umsetzung – Pultdach-förmige Aufstellung mit ausreichendem Abstand zwischen den Modulreihen – zu einer massiven ökologischen Aufwertung der bebauten Flächen. Aus ehemaligen, mit intensivem Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz am Leben gehaltenen Mais-Monokulturen kann sich auf diesen Arealen nach wenigen Jahren extensiver Nutzung ein Artenreichtum entwickeln, wie er in unserer Kulturlandschaft kaum mehr großflächig zu finden ist.

Christian Koch, AG KEV, 23. September 2021

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